2. Etappe Schiffsüberführung

23. April 2016 at 22:58

Portsmouth – La Coruna (Blogbeitrag in Bearbeitung)

Mit vollem Wasser- und Dieseltank segeln wir von Portsmouth aus zu zweit weiter entlang der englischen Südküste in Richtung Westen. Zuerst geht es durch die Meerenge Solent in das interessante und landschaftlich wunderschöne Segelgebiet zwischen der Südküste Englands und der Isle of Wight. Der Solent gilt als eines der besten Segelreviere Englands, aber auch als Tidengewässer mit extremen Strömungsverhältnissen. Zuerst durchqueren wir den östlichen Teil des Solent mit der Meerenge Spithead, vorbei an der „Segelhauptstadt“ Cowes. Der Solent ist Austragungsort der berühmten und traditionsreichsten Segelregatta Englands, der Cowes Week, die seit 1826 jährlich im August im Städtchen Cowes auf der Isle of Wight abgehalten wird. Zudem fand hier bis 1999 auch der Admiral’s Cup statt. Es ist schon ein tolles Gefühl auf diesem ehrwürdigen Gewässer unterwegs zu sein und entsprechend schlagen unsere Seglerherzen etwas höher.

Da wir etwas hinter der Zeitplanung liegen, cenceln wir den ursprünglich geplanten Zwischenstopp in Plymouth bzw. Falmouth und kürzen die Route ab, indem wir früher den Kurs in Richtung Nordspanien auf die Biskaya ändern. Das Wetter sagt für die nächsten Tage nördliche Winde voraus, was für unser Ziel optimal ist.

Die Biskaya zeigt sich entsprechend der frühen Jahreszeit von ihrer rauhen Seite und so setzen uns die starken Winde und die sehr hohen Wellen ziemlich zu. Die Passage über das berüchtigte Seestück bewältigen wir nonstop in Wachen zu je 4 Stunden. Da es in der Nacht noch sehr kalt ist, wird es eine körperlich ziemlich anstrengende Angelegenheit. Da ständig Wellen und Gischt über das Deck rauschen, kommt zur Kälte auch noch die Nässe hinzu. Leider stelle ich erst jetzt fest, dass zwei Deckslüfter total kaputt sind und bei diesen Bedingungen das Salzwasser über die undichten Deckslüfter in den Salon und in die Toilette läuft. Unter diesen Wetterbedingungen ist aber an eine Reparatur nicht zu denken. Im Vorfeld hatte ein Segelfreund meine Routenplanung dahingehend kommentiert, dass es „etwas bekloppt“ wäre, schon Anfang April freiwillig auf der Biskaya zu segeln – ich muss eingestehen, irgendwie war dieser Kommentar berechtigt.

Zumindest tut die Windfahnensteuerung treu und zuverlässig ihren Dienst, was zumindest stundenweise die Arbeit des Rudergängers erleichtert. Bei 3-4 m hohen Wellen, müssen wir allerdings selbst steuern, weil die Anlage natürlich nur auf Windveränderungen reagiert, aber nicht die anbrausenden Wellen im richtigen Winkel ansteuern kann. Auch für den Steuermann ist es – vorallem in der Nacht – sehr schwierig, so dass die TAHOWA auch einige Male grenzwertig in Schräglage bzw. quer zu den Wellen gerät. Dennoch bin ich begeistert, wie die Yacht mit der extremen Situation klar kommt und fast immer weich in die Welle geht ohne zu sehr zu stampfen oder aufzuschlagen. Zu keinem Zeitpunkt kommt für die Crew ein unsicheres Gefühl auf, man fühlt sich im Mittelcockpit sicher und unter der festen Sprayhood auch einigermaßen geschützt vor den einbrechenden Wellen.

Da bei allen widrigen Wetterverhältnissen die Windrichtung für uns die ganze Zeit passend ist, rauschen wir mit ziemlich gutem Speed rasend in Richtung Nordspanien und erreichen La Coruna bereits nach 3,5 Tagen. Die Etmale (Seemeilen in 24 Stunden) lagen auf dieser Strecke bei ca. 140 sm. Ziemlich abgekämpft, aber zufrieden und erleichtert genießen wir die ersten Stunden im sicheren Hafen von La Coruna und lassen es uns in der etwas touristisch angehauchten, aber sehr netten Altstadt mit leckerem Fischessen, Wein und anderen Köstlichkeiten gut ergehen. Ich habe in La Coruna das erste Mal das Gefühl, ein wichtiges Teilstück der Überführung geschafft zu haben. In diesen ersten zwei Wochen war die seemännische Unterstützung von Olaf für mich sehr wichtig. Gerade auch durch die harten Erfahrungen auf der Biskaya ist mir die TAHOWA inzwischen sehr vertraut. Das ist auch wichtig, weil ich auf den nächsten Etappen noch mal mehr allein die Verantwortung für die Crew und das Boot haben werde. Ein großes Dankeschön an Olaf für seinen seemännisch guten Job an Bord!