3. Etappe Schiffsüberführung

30. April 2016 at 23:00

La Coruna – Villamoura (Blogbeitrag in Bearbeitung)

Für diese dritte Etappe hat Winfried, ein guter Bekannter aus dem Heimat Seligenstadt, seine Unterstützung als zweites Crewmitglied zugesagt. Winfried bringt zwar bereits Segelerfahrung mit, ist aber noch nie auf einem Langfahrtschiff und auch noch nie bei Nacht gesegelt. Da ich diese dritte Etappe komplett durchsegeln will, ist es also ein mutiger Schritt für Winfried, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.

Nach einem super tollen Essen mit Tintenfisch, Fleisch und anderen Leckereien (Tipp von Winfrieds Zimmerwirtin), viel Rotwein und abschließendem Einkauf von 4 kg Schinken für Harry vom Skorpios Team, verlässt uns Olaf am frühen Morgen und zusammen mit Winfried werfe ich die Leinen los für die Tour entlang der spanischen Küste in Richtung Portugal.

Um es kurz zu machen: Alles super!

Der Wind und das Wetter passen und wir sind richtig flott unterwegs, es gibt auffallend viele Delphine zusehen und für mich ein ganz besonderes Highlight, denn ich erlebe den ersten Wal in der freien Natur. Gemächlich zieht er seine Bahn auf unserer Bb-Seite in nördlicher Richtung und bläst dabei in regelmäßigen Abständen seine Fontäne in die Luft. Nur seine Schwanzflosse will er uns leider nicht zeigen.

Endlich kann ich die lange Dünung des Atlantik – nach dem „Höllenritt“ auf der Biskaya – genießen und schauen wie sich die TAHOWA sacht in den Wellen wiegt. Das „Atmen“ des Oceans, wie man es vom Atlantik kennt. In den Nächten dann die Sterne und später das Mondlicht, die Stille der Nacht, unterbrochen durch die gelegentlichen Geräusche vom Segeltuch und begleitet vom Gurgeln des Kielwassers. Das ist Segeln!

Die Tage mit Winfried sind sehr entspannt und interessant für mich. Schließlich weiß er als echter Hesse und sehr umtriebiger und engagierter Seligenstädter (bzw. Klein-Welzheimer) so manche Geschichte aus der Seligenstädter Politik und der sonstigen Gesellschaft zu erzählen. Für mich als Neubürger eine interessante Erweiterung meiner Ortskenntnis und eine willkommende Abwechslung vom sonstigen Bordalltag. Auch seglerisch klappt es mit unserem Zweierteam reibungslos und Winfried nimmt alle Anregungen und Segelanweisungen dankend auf, so dass ich schon nach wenigen Stunden das volle Vertrauen habe, ihm die Wachführung zu übertragen. Ich lasse meine Segelkleidung an und bleibe in Rufweite, kann mich aber in meiner Freiwache im Salon ausstrecken und Kraft tanken.

Grundsätzlich wird die Sicherheit an Bord der TAHOWA – gerade in der Nacht – sehr ernst genommen. Jedes Crewmitglied ist ständig eingepikt (gesichert) und bei unklarer Wetterprognose wird vor Einsetzen der Dunkelheit bzw. bei Wachwechsel häufig gerefft. So wird erreicht, dass ein Crewmitglied in seiner Freiwache nicht durch ein vorhersehbares Segelmanöver unnötig in der Erholungsphase gestört wird. Wenn man mehrere Tage oder sogar Wochen am Stück unterwegs sein will, ist es wichtig, dass der Körper und die Psyche dieser Belastung auch gewachsen sind. Erholung, Schlaf und regelmäßige Ernährung sind dafür eine Grundvoraussetzung.

Ursprünglich hatte ich Faro als Zielhafen vorgesehen, aber daraus wurde nichts. Vermutlich hatten wir die Tage voher dem guten alten Rasmus zu wenige Opfer gebracht, denn plötzlich lief alles schief, was man sich bei einer Anfahrt eines fremden Hafens ausdenken kann. Auf dem Funkkanal des Hafenmeisters meldet sich niemand. Unter der im Hafenhandbuch angegebenen Mobilnummer meldet sich eine Frau, die kein einziges Wort englisch spricht und ich natürlich kein Wort Portugisisch. Bei der Touristenzentrale spricht man bzw. frau zwar englisch, aber auch dort kann man uns nicht weiterhelfen. Eine zweite Marina in der unmittelbaren Umgebung von Faro weist uns ab, obwohl noch einzelne Plätze frei wären. Dann ist irgenwann Niedrigwasser und wir sitzen in der Lagune vor Faro im Schlick fest.

Ziemlich entnervt entscheiden wir am Nachnittag, kurz vor Hochwasser, auf Villamoura auszuweichen, was ca. 15 sm entfernt liegt. Diese 15 Seemeilen werden wohl die längsten meines Lebens bleiben, weil ich bei der spontanen Entscheidung die Meeresströmung an der südportugisischen Küste unterschätzt habe. Wir stehen mit teilweise nur 0,7 kn Fahrt über Grund förmlich auf der Stelle und mühen uns tapfer stundenlang ab, um den ersehnten Hafen zu erreichen.

Bei absoluter Dunkelheit tasten wir uns kurz nach Mitternacht langsam durch die Hafeneinfahrt und wollen uns einen der vielen freien Plätze in der Marina suchen. Aber so geht das nicht, erklärt uns freundlich, aber bestimmt ein junger Mann von der Marina, der unser Manöver beobachtet hat und uns im Dinghi gefolgt ist. Zurück bitteschön in den Vorhafen an den  Steg der Tankstelle und dort warten, bis man am nächsten Morgen zuerst in der Reception einklariert hat.

Villamoura erscheint wie eine Kulisse. Vor Jahren vermutlich als modernes Marina-Projekt aus dem Boden gestampft, versprüht der Ort eine sehr künstliche ¨Ballermann-Atmosphäre“ mit unzählig vielen Lokalen und Bars. Jeden Abend füllt sich der Ort mit vielen unternehmungslustigen und mehr oder weniger trinkfesten Gruppen von Leuten, die dann ziemlich laut über die Hafenpromenade von Kneipe zu Kneipe ziehen. Für die Erledigung einiger kleiner technischer Dinge am Boot bietet die Marina allerdings eine brauchbare Infrastruktur (z. B. Segelmacher, Yachtzubehör etc.).

Mit einem sehr leckerem Paella-Essen verabschiedet sich Winfried, der von hier aus noch eine Woche Familienurlaub in der Umgebung von Faro geplant hat. Vermutlich wird er nicht das letzte Mal an Bord der TAHOWA gewesen sein, hat er doch für ausgefallende Segeltouren einiges ¨Blut geleckt¨ und seine weitere Mitsegelbereitschaft bereits angekündigt.

Auf der einwöchigen Atlantikroute entlang der spanischen Küste war Winfried für mich eine große Hilfe an Bord und ein willkommendes Crewmitglied. Vielen Dank für die gemeinsame Zeit auf der TAHOWA!