4. Etappe Schiffsüberführung

14. Mai 2016 at 22:57

Villamoura – Cagliari (Blogbeitrag in Bearbeitung)

In Villamoura kommt am Freitag Abend Chris an Bord. Chris ist ein junger Mann, arbeitet zeitweise im maritimen Bereich (Großschifffahrt) und kennt sich auch mit dem Segeln aus. Auf regelmäßigen Segeltouren mit seiner Familie auf dem Langkieler seines Vaters sind ihm schon früh Segelbeine gewachsen. Aufgrund des großen Altersunterschieds müssen wir uns etwas ¨beschnuppern¨, können uns aber schnell gegenseitig akzeptieren und die seglerische Zusammenarbeit an Bord klappt super. Chris beherrscht die Eigenarten des behäbigen Twinkielers auf Anhieb und ist von der ersten Stunde an ein sehr zuverlässiger Rudergänger. Das ist vor allem beim Segel setzen, reffen und bergen enorm wichtig. Gerade aufgrund des Trecker-Vorsegels mit dem Fockbaum auf dem Vordeck ist es wichtig, dass der Rudergänger die richtigen Manöver fährt und Handgriffe z. B. für die zusätzlichen Bullenstander am Treckerbaum zügig und korrekt ablaufen.

Am Samstag starten wir von Villamoura aus für die Passage durch die Straße von Gibraltar. Die Seestrecke bis zur eigentlichen Durchfahrt bringen wir schnell hinter uns. Die berüchtigte schmale Engstelle zwischen Atlantik und Mittelmeer wird manchmal als „Tor zur Hölle“ bezeichnet. Für uns soll es aber das „Tor zum Paradies“ sein, denn wir erhoffen uns danach bequemes Segeln im warmen Mittelmeer mit Wind von achtern in Richtung Osten. Aber entgegen unserem optimistischen Wunsch beginnt dann ein „teuflischer“ Abschnitt, der viel Geduld und Durchhaltevermögen von uns erfordert. Die Strömung in der Straße ist enorm und natürlich kommt mal wieder alles auf die Nase. So kämpfen wir uns Meile für Meile gegenan. Das Aufkreuzen ist dadurch erschwert, da auf der nördlichen Seite des Verkehrstrennungsgebiets wenig freier Seeraum ist. Die kurzen Schläge und die zusätzlichen Ausweichmanöver bei anderen ebenfalls außerhalb des Fahrwassers fahrenden Schiffen erschweren unser Vorankommen zusätzlich.

Auch nach der Durchfahrt beginnt nicht das erhoffte Paradies, sondern es setzt immer noch eine beachtliche Strömung und der schon lange anhaltende Ostwind hat eine kräftige Dünung aufgebaut. Auf bessere Verhältnisse hoffend machen wir – entgegen der urspünglich geplanten Route – einen längeren Schlag in Richtung der Küste von Marokko. Zum Glück war diese Entscheidung gold richtig. Außerhalb des Hauptverkehrsstroms der großen Pötte sind die Nachtwachen unter Windfahnensteuerung angenehm stressfrei und wir machen einige Meilen in Richtung Osten gut. Die Auswertung von sog. Grip-File Windprognosen für die nächsten Tage ergibt, dass es auch windtechnisch durchaus Sinn macht, unser Ziel Sardinien auf einem südlichen Kurs anzusteuern. Nach zwei Tagen bewahrheitet sich die Entscheidung als richtig. Stundenlanges traumhaftes Segeln mit achterlichen Winden, Windfahnensteuerung und Sonne im Cockpit sind der Lohn für den Umweg. Da kommt bei einer Dose Bier und Musik aus der Soundbox so richtig schönes Langfahrtfeeling auf. So macht Segeln Spaß. Noch sind es ca. 300 sm bis Cagliari.

Nach einem kurzen, aber sehr erholsamen Zwischenstopp in dem kleinen Hafen Motril an der Südküste von Spanien, laufen wir aus mit Kurs Südsardinien. Aber dieses letzte Seestück bis Cagliari hat es dann wieder in sich. Der heftige Wind kommt ungünstig von vorn und die Dünung und die Windwellen überlagern sich und werden von Stunde zu Stunde höher. Zum Schluss erreichen sie Wellenhöhen von teilweise bis zu 5 Metern. Als wir schon dem Ziel Cagliari sehr nah sind und eigentlich „gefühlt“ schon fast angekommen sind, erwischt uns in der letzten Nacht noch ein heftiges Gewitter mit Sturmböen bis zu 55 kn. Unter gerefften Segeln müssen wir vor dem Sturm ablaufen und verlieren kostbare Seemeilen. Die ganze Nacht über tobt der stürmische Wind und immer wieder bauen sich die heftigen Böen auf. Wir suchen Schutz im Windschatten der beiden westlich von Sardinien gelegenen Inseln San Pietro und Sant´ Antioco. Erst in den frühen Morgenstunden trauen wir uns, wieder einen südlichen Kurs einzuschlagen, um die Südspitze von Sardinien zu umrunden.

Der Wind spielt mit uns scheinbar einen üblen Streich, denn auch auf der Südseite von Sardinien dreht der Wind ebenfalls und weht uns beständig auf die Nase. Es bleibt also mühsam, gegenan zu gehen und unser Zielhafen rückt nur langsam näher. Zu allem Überfluss versagt dann die Wasserpumpe des Dieselmotors ihren Dienst und ich muss bei dem Geschaukel im begehbaren Motorraum den Impeller wechseln.

Einige Stunden später erreichen wir dann endlich den ersehnten Hafen von Cagliari und machen im südlichen Teil der großen Bucht in der Marina di Sant´ Elmo fest. Gleich neben uns liegt eine weitere deutsche Yacht von Bob und Evelyn am Steg. In den nächsten Tagen verbringen wir mit den beiden Schweizern einige feucht-fröhliche Stunden an Bord mit netten Gesprächen und mit Livemusik von Lena und ihrem Lebensgefährten. Die beiden jungen Vollblutmusiker kommen aus Freiburg (meiner alten Heimat) und so fühle ich mich natürlich besonders wohl.

Leider ist an der TAHOWA bei dem hohen Wellengang am Ruderquadranten ein Edelstahlbolzen abgerissen, so dass der Autopilot nicht mehr arbeitet. Ein neues Teil muss angefertigt werden. Das kostet Zeit und einen Geldbetrag von insgesamt ca. 220,- EUR. Das ärgerliche daran ist, dass die Marina mehr Geld für den Vermittlungsservice kassiert als das Ersatzteil selbst kostet. Aber wenigstens funktioniert der Autopilot wieder, nachdem ich den neuen Gewindebolzen montiert habe.

Am Samstag verabschiedet sich Chris, um zurück nach Berlin zu fliegen. Gerade weil die letzten 14 Tage seglerisch sehr anspruchsvoll und anstrengend waren, bin ich froh und dankbar einen so guten Mitsegler an meiner Seite gehabt zu haben.

Ich danke Chris für seine zuverlässige Mithilfe an Deck und seine Ausdauer und das Durchhaltevermögen bei den teilweise zermürbenden Gegenanpassagen.